KG Rot-Weiß "Die Stecher" e.V. Rülzheim

Als Rekrut in der Bütt gestartet

Deutscher Karnevalistenbund verleiht Josef Wolff höchste Auszeichnung – 66 Jahre aktiv
Josef Wolff ist mit Leib und Seele Fasnachter – seit jungen Jahren schon. Für 66 Jahre aktive Mitgliedschaft bei der Karnevalsgesellschaft Die Stecher erhielt er nun die höchste Auszeichnung, die der Bund Deutscher Karneval zu vergeben hat – als erster im Dorf.Für seine Verdienste zur Erhaltung und Förderung heimatlichen Brauchtums „Karneval – Fastnacht – Fasching“ wurde Josef Wolff, seit sechs mal elf Jahren aktives Mitglied der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß „Die Stecher“, vom Bund Deutscher Karneval (BDK) der Verdienstorden in Gold mit Brillanten verliehen; die höchste Auszeichnung, die der BDK zu vergeben hat. Er ist der erste „Rülzheimer Narr“, der diese Ehrung erhielt. Der Radsportverein hatte 1954 im damaligen Gasthaus Zum Löwen von Wolffs Schwiegervater private Kappensitzungen veranstaltet, bei denen auch Büttenreden gehalten wurden. Wolff war dabei. Aus den Sitzungen entwickelte sich zunächst eine Karnevalsabteilung, aus der dann im Februar 1955 die Karnevalsgesellschaft (KGR) hervorging. Da 1955 die Bundeswehr gegründet worden war, wollte Hans Kaufmann, einer der Urväter der Rülzheimer Fasenacht, zu dem Thema eine Büttenrede halten. Er sollte dabei der Ausbilder und Josef Wolff der Rekrut bei der Musterung sein. „Eine Bombenrede“, wie sich Wolff heute erinnert. So kam er zu seinem närrischen Engagement, das bis heute sein Leben bestimmt. Für den ersten Hofball der neuen KGR 1956 wurde ein Prinz gebraucht. „Du werscht unser Prinz, du bescht de Jingschte.“ Mit dieser Aufforderung seiner Vereinskollegen wurde Josef Wolff überrascht, als er zu einer Sitzung der KGR eintraf. Als „Josef I zu Klingbachtal und Gartenhausen“ wurde er zum ersten Rülzheimer Faschingsprinzen proklamiert. Er ist somit einer der Gründerväter der KGR. Seitdem hat ihn die Fasenacht nicht mehr losgelassen.

Anfangs war er als Mitglied des Vergnügungsausschusses „Mädchen für alles“. Er kümmerte sich um den Wirtschaftsbetrieb und um alles, was hinter den Kulissen zum Gelingen der Veranstaltungen nötig war. Später war er Mitglied des Elferrats, tanzte zwölf Jahre im Männerballett und war viele Jahre Vorstandsmitglied, davon vier Jahre als 2. Vorsitzender. Bis heute ist er ununterbrochen Beiratsmitglied des erweiterten Vorstands. Dazu ist er der Archivar und Hoffotograf der KGR. Zudem hat er fast alle Jahresorden entworfen. Da der neue Verein damals finanziell nicht auf Rosen gebettet war, gab es anfangs nur sechs Orden, die an die Aktiven verliehen werden konnten. Um diesen Mangel zu kaschieren, mussten die Geehrten ihre Orden wieder abgeben, nachdem sie die Bühne verlassen hatten – damit sie anderen Mitgliedern verliehen werden konnten, erinnert sich Wolff. Josef Wolff (Jahrgang 1936) hat bei den Heinkel Flugzeugwerken in Speyer Elektriker gelernt. Seine Mitarbeiter-Nummer: 111. Diese zeigt nicht nur, dass er einer der ersten Beschäftigten dort war, sondern sie war auch ein Symbol für seine karnevalistischen Aktivitäten. Zunächst, erinnert er sich, wurden in Speyer die legendären Kabinenroller gebaut, später kamen Flugzeuge dazu. Bis zu seiner Pensionierung 1978 blieb Wolff bei der später in PFW Aerospace umbenannten Firma. Seine lange karnevalistische Erfahrung sei „eine Bank, auf die wir alle gerne zurückgreifen“, betonte KGR-Vorsitzender Michael Gadinger bei der Ordensverleihung. Er sei sozusagen „der Hans Dampf in allen Gassen“.

1985 bereits erhielt Wolff den Goldenen Löwen, 2007 wurde er als erster Rülzheimer mit dem Goldenen Löwen mit Brillanten ausgezeichnet. Seit 1988 ist er KGR-Ehrenmitglied. Neben seinen karnevalistischen Aktivitäten war Wolff auch Mitglied des anlässlich Rülzheims 1200-Jahr-Feier gegründeten, mittlerweile aber nicht mehr bestehenden Foto-Arbeitskreises und Gründer des Arbeitskreises Technik der Kulturgemeinde. Darüber hinaus ist er Mitglied im Schachclub und im Gesangverein Männerchor mit Frauenchor. Für sein vielfältiges kulturelles Engagement wurde ihm im Jahr 2000 die Landesehrennadel verliehen.

 

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